Jimmy Wales mag es molekular

jimbo.pngGefragt, was er am liebsten esse, antwortet Wikipedia-Gründer Jimmy Wales:

I like an unusual type of food called „molecular cuisine“. Only a few restaurants in the world have this type of cuisine, and the most famous is the El Bulli in Barcelona, but I’ve never eaten there. But a friend of mine finally ate there but it took three.. (Audio malfunction)What they do is..(Ditto. But ,of course, you can find out of what molecular cuisine is on Wikipedia!) The best restaurant that I’ve ever eaten it in my life is called Fat Dog in London. It turns out that there is a very famous molecular cuisine restaurant here in Tokyo, at the Mandarin Oriental Hotel. It’s called Tapas Molecular Bar.

Auch der Rest des Gesprächs, das uns schon dadurch absolut überzeugt hat, als allererstes die Gastro-Frage zu stellen, ist lesenswert.

(Bild: Jimmy Wales, Quelle: Wikipedia, was sonst)

Morimoto unkochbar?

Ganz begeistert klingt Gina Mallet, wenn sie von einem Morimoto-Menu auf seiner Promotiontour im „Rain“ berichtet:

By far the most beautiful dish was a line of tiny saranwrapped pouches of caviar served on lemon cream. Dazzlingly ingenious with a subtle, elusive taste. The saranwrap turns out to be melt-in-the mouth obrato, a clear gel made from soy lecithin, one of the popular ingredients in molecular cooking.

Umso mehr ärgert sie sich dann, dass sich die Gerichte zu Hause nicht nachkochen lassen: „I sample sugared salmon: it tastes like an inadvertent mix of leftovers – as if something fishy had fallen into a dessert.“ Ein Kochbuch ohne genaue Angabe der Zutaten und Zubereitungstechniken? Das ist doch einmal ein Statement gegen Kommerzialisierung und Vulgarisierung der Kochkunst (und wie wunderbar, dass es trotzdem Leute gibt, die sich so ein Buch anschaffen).

"Emotionale Überraschungsmomente"

Vom Erfinder der fettfreien Fritöse, Prof. Dr. Gerhard Klöck, Lebensmitteltechnologe am Technologietranferzentrum Bremerhaven, an dem ein EU-Projekt zur molekularen Gastronomie läuft, stammt dieser hübsche Text zum Thema.
Darüber hinaus ist Prof. Klöck schöpfer großartiger Powerpoint-Charts:

"Chemische Küchenkeule"

Wenn man sich nach der
Koffein-Euphorie über die tollen Medien auf den Münchner Medientagen wieder ernüchtern will, empfielt sich stets ein Blick in das Feuilleton der Zeit – dem stetigen Manifest des Kulturpessimismus.

Es wäre nicht die Zeit, wenn wir uns nicht darauf verlassen könnten, dass es – wenn sich sonst schon alle in Lobhudeleien ergehen – hier eine solide Schmähung der molekularen Küche zu entdecken gibt:

Die nachhaltigste Küchenmode der letzten 100 Jahre war die Nouvelle Cuisine. Sie veränderte wenigstens das Aussehen und den Geschmack der Tellergerichte, welche überwiegend mit traditionellen Hilfsmitteln zustande kamen. Die Molekularküche versucht hingegen, den gleichen Geschmack und das gleiche Aussehen der tradierten Speisen durch neue Methoden zu erreichen. Es ist der Unterschied zwischen revolutionär und konservativ. Noch nie hat einer der Physiker mit dem Chemiekoffer behauptet, dass seine Voodoo-Küche den Geschmack der Speisen verbessere. Man hat den Eindruck, sie propagierten die Molekularküche nur, um zu beweisen, dass man auch anders kochen kann, als es die Großmeister am Herd bisher getan haben.

(auch der der Rest des Artikels von Siebeck ist recht lustig.

Molekulare Wüste auf der Documenta


Wieviel Zugkraft findiges Kultusmarketing in der molekularen Küche vermutet, dokumentiert die Documenta 12. Da wird das el bulli einfach zur Ausstellung geschlagen, obwohl in Kassel wirklich gar nichts stattfindet.
Zum Trost für die kulinarische Wüste der nordhessischen Metropole verweist uns der Katalog auf die Online-Speisekarte in Spanien. Das passt zur Platitude und rundet als Enttäuschungs-Bonbon die verschwurbelte Migration der Form ab.

10 Fakten über die molekulare Gastronomie

elbulli.pngLessley Anderson hat 10 wichtige Einsteigerfakten über die molekulare Gastronomie gesammelt:

  1. Die größten Chefs der molekularen Küche haben (für Amerikaner?) unaussprechliche Namen – aber auf der Seite gibt es ein kurzes Video mit Erklärungen dazu
  2. Der Begriff „molecular gastronomy“ ist ein Unwort
  3. Schockfrosten ist die charakteristische Methode
  4. Man isst Sphären
  5. Ohne Transglutaminase oder banal „Fleischkleber“ geht es nicht
  6. Schäume sind nach wie vor wichtig
  7. ebenso wie essbare Speisekarten
  8. oder die abgefahrene Präsentationsweise der Speisen wie zum Beispiel im Fall des „Bacon on the line“ im Alinea
  9. Einschränkend ist zu sagen, dass nach wie vor die Chance gering ist, in einem der Toprestaurants wie El Bulli einen Platz zu bekommen
  10. und außerdem ist es nach wie vor noch nicht für jeden Gaumen geeignet.

(Bild: Kryoküche in El Bulli, Foto von IanL)

Alinea immer noch bestes Restaurant der USA?

alinea.pngIm Jahr 2006 schaffte es Grant Achatz‚ Restaurant „Alinea“ (Chicago) im Gourmet Magazine auf Anhieb auf den ersten Platz der 50 besten US-Restaurants. Traveller’s Tales befasst sich ausführlich mit dem Restaurant, unter anderem mit einigen sehr schönen Fotos. Zur näheren Information:

Alinea seats 70 people at 20 tables; meals consist of either a 12-course tasting menu or a 24-course „tour,“ and can last up to four hours. The 12-course dinner is priced at $135 and the 24-course dinner will put you back by $195. The wine pairings are separately priced.

Ich bin gespannt, ob Greg Achatz seine Position in diesem Jahr behaupten kann.
(Abbildung: 14. Gang, „Pineapple“ von ulterior epicure)

Gute-Nacht-Biskuits

tryptophan.pngWie alle Pionierleistungen hat es auch die molekulare Gastronomie bisweilen schwer, wie Jonah Lehrer zitiert:

The chef, Heston Blumenthal, has a problem: His dessert tastes like horseshit. This is because Heston is trying to put Tryptophan and Valerian Acid, two proteins that induce sleepiness, into a little petit four. He wants you to relax as you’re paying the bill.

Spritzen, Pipetten und Pinzetten

Einen großen Teil ihrer Faszination verdankt die Molekularküche nicht nur den neuen Zubereitungsformen bekannter Zutaten, sondern auch den damit verbundenen innovativen Praktiken der Zubereitung:

[…] und ich verwende beim kochen immer noch Messer, Fleischklopfer und Schöpfer. Aber wie ich staunend recherchiert habe wird in der molekularküche mit Spritzen, Pipetten und Pinzetten gekocht.

So schreibt zum Beispiel Barbara im Blog des „Gletscherblicks“ im Stubaital darüber.

Kochen 2.0

Die New York Times hat es erkannt: Molekulare Gastronomie bedeutet Kochen 2.0. In dem lesenswerten Artikel von Kenneth Chang wird vor allem deutlich, dass die molekulare Küche nicht so sehr Science Fiction ist als vielmehr eine Rückeroberung der massenindustriellen Lebensmittelchemie durch die Gastronomen. Auch die Tradition kommt dabei nicht zu kurz, wenn auch bisweilen auf unerwartete Weise:

In the question-and-answer session, one person asked why Mr. Dufresne went to the trouble of making a foie gras terrine, a process that takes half a day of chilling, when the next step was melting it into a liquid.

„We were trying to be true and honest to that aspect of French cooking,“ Mr. Dufresne replied. He paused before adding, „And do something kind of crazy with it.“