Monatsarchiv: November 2007

How Do You Like To Thicken Your Sauce?


Beurre manie, Bild von Gastronomical Inspirations

Chef Christopher Allen Tanner aus Bosten Ma. gibt auf seinem Blog Gastronomical Inspirations eine schöne Übersicht der verschiedenen Verdickungsmittel, die in der Küche verwendung finden: „How Do You Like To Thicken Your Sauce?“ – Schwerpunkt sind die traditionellen Binder wie Roux, aber auch die molekulare Küche wird gewürdigt:

These additives though have made new textures, without damaging the flavor of the sauce. Lecite is a chemical that helps thicken sauces into a shaving cream type foam. Lecite is often used with juices and pure liquids to preserve their pure flavor while giving them a distinct texture. Glice is another chemical used that emulsifies liquids with the addition of a fat. Olive oil is one of the most popularly used fats for this preparation in making a sauce or foam. Again, in this case no flavor is added, just a desired texture.

Würdigung auf spiegel.de


Im Vergleich zum Pessimismus der Zeit gibt sich spiegel.de milde. Die Headline „Nebel des Grauens“ verspricht zwar eine Schmähung, der Artikel vonPeter Wagner ist dann aber durchweg positiv:

Viele Techniken der Molekularküche sind so einfach und so wenig arbeitsintensiv wie selbst gemachte Nudeln oder Rote Grütze. Der einzige Unterschied: Mit heißen Hummergeleewürfeln, Balsamicokaviar auf durchsichtigen Tomatennudeln oder federleichten Saucen-Espumas kann man bei seinen Gästen ganz schön einen auf dicke Hose machen.

Wenn sogar mir nachfolgendes Rezept problemlos auf Anhieb gelingt, können Sie das allemal. Auch ohne Chemiestudium.

Liste aller deutschen Michelin-Sterne

michelin1.pngGerade beim Fresser gefunden: Eine komplette Liste (hier als pdf) der neuen, verlorenen und alten Michelin-Sternen in Deutschland, geordnet nach den Bundesländern. Schön, dass auch direkt vor Ort in München zwei neue Sterne mit dabei sind: „Dallmayr“ (Diethard Urbansky) und „Terrine“ (Jakob Stüttgen). Außerdem wird Andreas und Franziska Schweigers „Show Room“ als Hoffnungsträger für einen Michelin-Stern gehandelt.

Acht Tipps für einen perfekten Hamburger

12828933_5e3575e7fa_m.jpgIn der aktuellen Ausgabe der US-Vogue (Condé Nast) macht sich „Der Mann, der alles isstJeffrey Steingarten darüber Gedanken, was man beachten muss, um einen perfekten Hamburger zu schaffen. Dieser sollte dann folgende Kriterien erfüllen:

That the meat patty be profoundly beefy in flavor, mouthwateringly browned on the outside, and succulent (a combination of juicy and tender) on the inside. The bread or bun should not interfere with any of these virtues. It should be soft, mild, and unassertive; its job is to absorb every last drop of savory juice trickling from the meat while keeping the burger more or less in one piece and your hands dry. Mouthwatering, beefy, juicy, and tender–not too much to ask from life, but entirely elusive, at least to me.

Um hinter das Geheimnis des perfekten Hamburgers zu kommen, fragt Steingarten zahlreiche Spitzengastronomen, und natürlich kommen auch einige Erkenntnisse der molekularen Küche zu ihrem Recht:

  • Harold McGee zufolge muss die Fleischmischung locker sein, so dass sich in den Zwischenräumen der Saft sammeln kann: „The gently gathered ground beef in a good hamburger has a delicate quality quite unlike even a tender steak.“
  • Dann darf auch noch Kyle Connaughton, Head Chef of Development in Heston Blumenthals „Fat Duck“ seine Erkenntnisse zum Thema Wenden weitergeben: „if you flip a burger or a steak every fifteen to 30 seconds, the outside surface will get nicely browned while the inside stays relatively cool.“

Und die anderen sechs Tipps? Hier sind sie:

  • Das Fleisch im gefrorenen Zustand zerkleinern.
  • Kein fertiges Hackfleisch kaufen, sondern selbst durch den Fleischwolf drehen.
  • Etwas Wasser zur Fleischmasse hinzugeben.
  • Das fertig geformte Fleisch vor dem Braten salzen und danach pfeffern.
  • Während des Bratens niemals auf den Hamburger drücken.
  • Pepperidge Farm’s Farmhouse Sandwich Rolls sind die idealen Hamburger-Brötchen.

(Abbildung: Dystopos)

Hydrokolloid-Kochbuch

hydro.pngSehr viel Mühe hat sich der Chemiker Martin Lersch (khymos.org) gemacht und eine Rezeptsammlung für die Hydrokolloid-Küche erstellt (pdf hier). Darin finden sich herrliche bis abgefahrene Rezepte für:

Sowie noch einige Rezepte für Schäume (Espumas) sowie Gerichte mit mehreren Hydrocolloiden. Diese weit über 100 Rezepte dürften wohl für einige Monate Küchenexperimente genügen.

Molekulare Küche auf Japanisch

ryugin.pngWie sieht japanische Molekularküche aus? Ziemlich eindrucksvoll, zumindest, was diese Bilder von einigen Highlights in Seiji Yamamotos Restaurant „Ryu Jin“ (Tokio, Roppongi-Viertel) angeht. Das Faszinierende: Hier wird eine eigenständige japanische Variante der molekularen Küche (oder: eine molekular inspirierte Dekonstruktion der japanischen Gastrotradition) kreiert:

His food struck me as kaiseki-meets-molecular-gastronomy, mad science from Fernan Adria’s Tokyo love child, dazzlingly creative, utterly fascinating — and, yet, food that seemed as intrinsically Japanese as a hearty bowl of shoyu ramen. Above all, Seiji’s cooking looked delicious.

"I needed to eat rather than look at a picture"

Sehr nett finde ich folgenden Kommentar von gagit zu der lesenswerten Beschreibung eines El Bulli-Besuchs:

i have finally had my first meal at El Bulli and my last meal at El Bulli. After being lucky or unlucky to secure the reservation, i was at the table of the God of Food, unfortunately that was not what he serves, he serves art in the form of food and after 30 courses, I needed to eat rather than look at a picture. My advise to all go to an art gallery if you want to look at pretty food, go to Robuchon if you want to eat.

ei.pngEine interessante Idee, in eine Galerie zu gehen, wenn man hübsche Speisen sehen will. Da ist etwas dran, zumal beispielsweise die Alte Pinakothek auf ihrer Homepage gerade mit Bruegels Schlaraffenland wirbt. Übrigens: Steve Plotnicki, der Autor des Blogs hat gerade sein sehr eindrucksvolles „Culinarium Vitae“ veröffentlicht.

Kochen mit der Espressomaschine

Mittlerweile haben sie die Küchen und Kantinen erobert: die Espressoautomaten. Dass man damit nicht nur Espresso oder Cappucino zubereiten kann, sondern auch Riesengarnelen, sieht man auf diesem Foto:

espresso.jpg

Das war übrigens Juan Mari Arzak, mit seinem Restaurant Arzak in San Sebastian ein ganz wichtiger Vertreter der neuen baskischen Küche. Mehr davon (sowie viele Fotos von Ferran Adrià in Aktion) gibt es bei Off the Broiler. (gefunden bei Freaky Trigger)

(Bild mit freundlicher Genehmigung von Off the Broiler)

Geschäftsbericht auf den Punkt gegart

Dass man in einigen molekularen Restaurants auf essbare Speisekarten stoßen kann, ist bekannt. Jetzt hat die kroatische Werbeagentur Bruketa Zinic ein Buch entwickelt, dessen Inhalt erst nach dem Aufbacken im Ofen (25 Minuten bei 100°C) lesbar wird. Passenderweise handelt es sich um den Jahresbericht „Well Done“ der Lebensmittelfirma Podravka:

bruketa.png

Dabei braucht man die Präzision eines Profikochs: Hält man sich nicht genau an die Temperaturangaben, verkohlt das Buch und der Inhalt bleibt für immer verborgen.

(Gefunden bei Food for Design + dezeen. Abbildung mit freundlicher Genehmigung von dezeen)

The Science of Kartoffelbrei

kartoffelbrei.pngDie Zeitung mit dem spannendsten Food-Teil derzeit, die New York Times, widmete sich gestern dem Kartoffelbrei (schließlich steht Thanksgiving vor der Tür). Wie ein perfekter Kartoffelbrei (ganz patriotisch der „classic, gravy-loving American mash“ und nicht das „puddled, creamy, butter-infused French purée“) sein muss, „Waxy or floury?“, oder auf welche Weise man diesen herstellen sollte – darüber streiten sich die Experten:

Tradition calls for beating them until your arm goes numb; molecular gastronomy insists on simmering the potatoes twice, at different temperatures, to control the starch cells.

Die New York Times kommt jedoch zu dem Fazit, dass es im Grunde genommen egal ist, welche Kartoffeln verwendet werden, wie sie gekocht werden und nach welcher Methode sie zerkleinert werden:

„I am not an expert on the details of potato cell structure,“ Mr. Chu said. „But you certainly don’t have to know the science to make mashed potatoes. You just have to know what people ate when they were growing up: that’s what they like.“

Die geschmacklichen Unterschiede sind demnach nur minimal. Aber sind es nicht gerade diese feinen Unterschiede, die den Unterschied zwischen einem wirklich gelungenen und einem durchschnittlichen Mahl ausmachen?

(Bild von hopelessly devoted)