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Auf dem Weg zur Noosphäre

Prometheus bringt den Menschen das Feuer

Natur/Kultur Teil 5

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Homo habilis – der geschickte Mensch – ist der erste Frühmensch, der sich von ca. 2,5 Mio. Jahren Werkzeuge aus Stein herstellt, vermutlich, um Fleisch (d. h. Aas) damit zu zerschneiden. Diese Steinmesser setzt er sozusagen als Erweiterung seiner Hände und Zähne ein. Das Messer als Erweiterung von Hand und Zahn, das Auto als verlängertes Bein – das alle Werkzeuge, alle Medien, die wir Menschen einsetzen, unseren Körper, speziell unsere Sinne erweitern, ist ein Gedanke, den wir dem Paläontologen und Philosophen Pierre Teilhard de Chardin S.J. verdanken, den dieser 1922 in seiner Kosmogenese entfaltete. Herbert Marshall McLuhan machte diesen Ansatz Teilhard zur Basis seines Hauptwerks Understanding Media: the Extensions of Man.
Am prominentesten wurde McLuhans These daraus, dass die elektronischen Medien als globale Erweiterung unseres Nervensystems fungieren.

Aber auch Kochen und im weiteren Sinne Konsum können wir in diesem Rahmen deuten. Wenn wir Speisen garen oder durch Fruchtsäure oder Essig die Eiweißmoleküle denaturieren, wenn wir die Rohstoffe zerkleinern, das Fleisch zerlegen, so verlagern wir sozusagen die Funktion unserer Zähne, des Speichels und der Magensäfte sozusagen teilweise nach außen. Wir verlängern unseren Körper durch Technik.

McLuhan steht dabei dieser Körpererweiterung ähnlich kritisch gegenüber, wie ihre Kritiker der Molekularen Küche. Er stellt fest, dass wir mit jeder dieser technischen oder kulturellen Erweiterungen gleichzeitig in unseren (körper-)eigenen Fähigkeiten reduziert werden – McLuhen spricht sogar von Amputation.

Wenn wir das Kochen die Extension der Verdauung betrachten, so können wir den Konsum als erweiterten Stoffwechsel sehen. Mit der zunehmenden Vernetzung durch den Handel scheinen wir mit anderen Menschen zu einem immer kompakteren Organismus uns zu entwickeln, dessen Zellen jeder von uns darstellt, Medien und Telekommunikation als Nervensystem, das Internet als Gedächtnis.
Diesen globalen Organismus nennt Teilhard die Noosphäre. Diese Noosphäre ist der, durch Technik und Kultur erweiterte Raum der Biosphäre.

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Weiterführende Literatur