Spaghetti bolognese nach Heston Blumenthal

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Die Frage ist: was kann man an dem absoluten Klassiker Spaghetti mit Ragù alla bolognese (vulgo: Spaghetti bolognese) noch verbessern? Nun, an ein paar Stellen hat Heston Blumenthal doch noch ein paar Modifikationen anzubieten.

  • Ein Teil der Zwiebeln wird in Öl mit etwas Sternanis karamelisiert. Auch in das Ragù kommt Sternanis. Warum? Dieses Gewürz hilft dabei, den Umamigeschmack von Fleisch und Tomate noch etwas zu betonen.
  • Der üblicherweise dazugegebene Rotwein wird durch einen trockenen Weißwein (Chardonnay) ersetzt, was dem ganzen eine leicht fruchtige Note gibt, die dann noch durch den Sherry-Essig beim Abschmecken verstärkt wird.
  • Die Kochdauer! Viele Blumenthal-Gerichte erkennt man daran, dass die üblichen Kochzeiten mindestens vervierfacht werden. Das ist auch hier der Fall. Insgesamt köchelt das Ragù acht Stunden bei niedriger Hitze. Dem Geschmack zuliebe. Ich muss allerdings zugeben, dass die hungrige Familie im Hintergrund mich in diesem Punkt überstimmt hat und ich die Kochzeiten deshalb auf ein gewöhnliches Maß reduziert habe.
  • Das Gericht bekommt eine haute cuisine-Note durch die Verwendung von diversen Bouquets garni (Kräutersträußchen) aus Thymian, Lorbeerblatt, Lauch, Petersilie, Selleriegrün und Estragon.
  • Das Tomatenragu wird noch einmal in einer Pfanne bei großer Hitze “gebraten” um dem Ganzen eine würzige Note zu geben.

Etwas mehr Aufwand als üblich – aber es lohnt sich!

Zutaten (in der Reihenfolge der Verwendung)

  • 125ml Olivenöl
  • 500g Hackfleisch
  • 375ml Chardonnay
  • 1 Sternanis
  • 2 große Zwiebeln, gestiftelte
  • 3 große Karotten, gewürfelt
  • 2 große Zwiebeln, gewürfelt
  • 2 Knoblauchzehen, gehackt
  • 2 Selleriestrünke, gewürfelt
  • 250ml Vollmilch
  • 1000g reife Tomaten
  • Salz
  • 200ml Olivenöl
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1 große Zwiebel, gewürfelt
  • 1 Teelöffel Koriandersamen, zerstoßen
  • 1 Sternanis
  • 3 Gewürznelken
  • Tabasco
  • Fischsauce (thailändisch oder vietnamesisch)
  • Worcestershiresauce
  • Tomatenketchup
  • 30ml Sherryessig
  • Kräutersträußchen aus 7 Thymianzweigen und einem Lorbeerblatt
  • 500g Spaghetti
  • Parmesankäse
  • Kräutersträußchen aus 6 Estragonblättern, 4 Petersiliezweigen, Selleriegrün eingewickelt in ein Lauchblatt
  • Butter
  • Pfeffer

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Zubereitung

  1. 25ml Öl in einer Pfanne bei mittlerer Hitze erhitzen, die gestiftelte Zwiebeln mit einer Sternanis hinzugeben und etwa 20 Minuten lang kochen bis die Zwiebeln weich und karamelisiert sind. Für später aufheben.
  2. Für das Soffritto in einer großen Pfanne 50ml Öl bei niedriger Hitze erhitzen. Knoblauch, Zwiebeln, Karotten und Sellerie dazugeben und bei niedriger Hitze 20 Minuten garen lassen. Beiseitelegen.
  3. 50ml Öl in einer großen Pfanne erhitzen – diesmal bei starker Hitze bis das Öl zu rauchen beginnt. Jetzt das Hackfleisch in die Pfanne geben und unter Rühren von allen Seiten anbräunen. Die Maillard-Reaktion sorgt für einen angenehm fleischigen Geruch und eine lecker-knusprige Kruste. Das Fleisch in ein Sieb geben, so dass das Öl abtropfen kann. Mit einem Teil des Weins die Pfanne ablöschen und damit die Fleischreste von der Pfanne lösen. Etwas einkochen lassen. Dann das Fleisch und den reduzierten Wein in einen großen Topf schütten. Die Sternanis aus den Zwiebeln fischen und die Zwiebeln mit dem Öl in den Fleischtopf geben. In dem Topf der karamelisierten Zwiebeln den restlichen Wein bis zur Hälfte des Volumens reduzieren lassen. Wein und Soffritto ebenfalls zu dem Fleisch geben.
  4. Den Topf mit dem Fleisch auf eine Platte bei niedriger Hitze stellen. Die Milch dazuschütten und soviel Wasser bis das Fleisch gerade bedeckt ist. 6 Stunden kochen lassen. Immer wieder Wasser nachgießen, so dass das Fleisch immer bedeckt bleibt.
  5. Tomaten schälen, Samen entfernen und grob würfeln. In einem Topf 100ml Öl erhitzen (niedrige Hitze). Knoblauch und Zwiebel dazugeben und 10-15 Minuten weich garen. Koriander, Sternanis und Nelken in ein Kräutersäckchen füllen und das Säckchen zu den Zwiebeln legen. Tomaten dazu geben. Ein paar Tropfen Tabasco, Fischsauce und 2 Esslöffel Worcestershiresauce dazu träufeln, jetzt noch Ketchup und Essig hinein, das Bouquet und dann bei niedriger Hitze 2 Stunden kochen lassen.
  6. Den Rest des Öls in einer Pfanne stark erhitzen, dann das Tomatenkompott unter ständigem Rühren 15-20 Minuten “anbraten”. Danach das Kompott zum Fleischgeben und das Ganze noch einmal 2 Stunden bei sehr niedriger Hitze durchziehen lassen.
  7. Spaghetti kochen (jeweils 1l Wasser und 10g Salz auf 100g Nudeln). Ragù mit etwas Essig abschmecken, pfeffern und etwas Parmesan dazureiben. Das alte Kräutersträußchen herausnehmen und durch das neue (Lauch) ersetzen. 100g Butter hineinrühren und 5 Minuten stehen lassen.
  8. Nudeln abgießen und die überflüssige Stärke abspülen. Wieder in den warmen Topf geben und 50g Butter und ein bisschen Olivenöl dazu. Dann: servieren.
  • 25 Responses to Spaghetti bolognese nach Heston Blumenthal

    1. Nein! Bitte, ich bekomme Magenkrämpfe! Was für ein Frevel. Damit wird das Image des dummdreist panschenden Engländer brutal zementiert. Warum nicht gleich noch ein Schluck reduziertes Coca-Cola für “eine herrliche Karamellnote” reinschütten? Neunundzwanzig (!) Zutaten für eine Bolognese – hallo? Schon Knoblauch zur Zwiebel ist eine Todsünde (und schwer zu begreifen, ich komme mir beim Missionieren langsam vor wie Don Quixote). Aber dann noch Fischsauce UND Tabasco (warum nicht reinen Peperoncino?) UND Worcestershiresauce UND Tomatenketchup! Kommt Kinder, abbrechen, aus, fertig. Werdet erwachsen. Dann dürft ihr vielleicht wieder mal an einen Kochtopf. Werdet vor allem vernünftig.
      Italienische Nonnas und echte Köche lassen die Sauce schon seit eh und je den ganzen Tag simmern. Wär echt mal Zeit, sich das hinter die Kochlöffel zu schreiben und nicht immer so zu tun, als wäre das eine bahnbrechende neue Erkenntnis der Molekulargastronomie, mamma mia! Unter “Search of Perfection” verstehe ich, aus etwas Gutem das Perfekte herausschälen – zum Beispiel durch Reduktion aufs Wesentliche und nicht mit 17 Spraydosen die Mona Lisa zukleistern und dann sagen: «So, jetzt is gut!». Echt, da krieg ich son Hals! Ah, und noch was, sorry, richte Mr. Blumenthal bitte aus, Spaghetti sind die totale Fehlbesetzung zu Ragù, da nimmt man hausgemachte Tagliatelle, Fettucine oder allenfalls noch pasta corta, also Penne oder Rigatoni. Und die lässt man auch nicht nackt im Teller liegen mit einem Klacks Sauce obendrauf, nein, die werden bittesehr schön vermengt (amalgamati, wie der Italiener sagt, schönes Wort nicht?). Hier das traditionelle Rezept der Accademia Italiana Della Cucina, das 1982 bei der Handelskammer Bologna deponiert wurde:
      http://www.menuverabologna.it/menu6.htm
      Viel Freude beim Nachkochen und Vergleichen!

    2. Gerade wollte ich wieder eine süffisante Replik verfassen, auf die italienischen Nonne und Mammas verweisen, da hat der Claudio doch schon alles umfassend gesagt.
      Engländern habe ich ohnehin noch nie getraut beim Essenmachen.

    3. Da hat der liebe Heston wohl in ein paar alten Kochbüchern der Nonna rumgeblättert…..Wo soll der Unsterscheid sein, zu einer normalen Bolognaise?…Die ja nun auch auf dem Herd “vergessen” wird, ja gut Sternanis, aber, Fenchelsamen tut’s auch…und, nun ja, wenn man nachher die Saghetti in der Sauce schwenkt, wird ‘s auch nochmal heiss.
      Es soll ja auch manche Leute geben die schütten Ketchup in die Sauce, dann gleicht das Tabasco und Cie aus…

      Und mal ehrlich, was isst Du nun lieber, die englsische oder die italiensiche Variante?

    4. “Beim Kochen sollte man immer der Improvisation Spielraum lassen. [...] Und warum nicht auch risiloreiche Initativen? Wenn man behauptet, man sei nicht begabt, so ist doch die Tatscahce, dass man ein neues Rezept ausprobiert, schon ein Zeichen dafür, dass man Lust am Kochen hat. Man kann sich daher eine gewisse Freiheit in der Ausführung, eine fantasievolle Gestaltung erlauben [...] Dies sind, so scheint mir, einige Mermale der Neuen Französischen Küche [...]”
      Paul Bocuse

      “Die Entdeckung eines neuen Gerichts beglückt die Menschheit mehr als die Entdeckung eines neuen Gestirnes.”
      Brillat-Savarin

    5. Sorry, Ihr Lieben! In dem Fall gebe ich Claudio recht. Eine Bolognaise ist eine Bolognaise ist eine Bolognaise. Die Zutatenliste zu diesem Ragú liest sich, als ob jemand Speisekammer und Kühlschrank ausgefegt hat. Möge Herr Blumenthal einen eigenen Namen dafür erfinden, wenn er es denn unbedingt so kochen will.
      Allein die Zutat ‘Ketchup’! Welcher denn? Der aus Tomaten, oder der aus überwiegend Glucosesirup? Oder ist das egal, Hauptsache rein damit? Das kann alles gut finden, wer möchte. Ich mag so etwas nicht. Schon gar nicht mit Fischsauce. OK, die Römer haben ihr ‘Garum’ auch überall drangeschüttet. Das sollte aber nicht den Geschmack verbessern, sondern vom vergammelten Fleisch ablenken.
      Wie man in Bayern so schön sagt: D´Katz frisst Meis, i mogs net!

    6. Nee, nee, Jörg. Das ist ja eben keine Neuentdeckung, eine geglückte schon gar nicht.

      Mehr so, hey! dein Ferrari 250 GT sieht ein bisschen opamässig aus, ich verpass dem jetzt nen Fuchsschwanz, geilo Felgen, Brutalospoiler und nen Airbrush-Pegasus auf die Motorhaube, dann erst ists ne richtig coole Karre. Wobei, so ein ein Fell-Lenkrad …

      Versteh mich nicht falsch, jeder soll essen, was ihm schmeckt.

      Risiko? Innovation? Kreativität? Alles okay, aber nochmals: Dann geh, male ein beeindruckendes Porträt in einer revolutionären Technik, dass einem die Spucke weg bleibt. Aber um Gottes Willen erwarte nicht, dass die Welt dich bewundert, wenn du ins Louvre gehst, die Gioconda mit Fingerfarben übermalst und dann behauptest, jetzt ists perfekt!

      Lass mal die Zitate beiseite und erklär mir mal mit deinen Worten, was an diesem Ragù VERBESSERT wurde.

      Um das gings doch,oder?

    7. liegt es also am Namen?
      Würde man das Ganze “Nudeln mit Umami-Sauce” nennen, hätte sich wohl niemand aufgeregt?
      Was wird denn durch ein Rezept “mit Fingerfarben übermalt”? Es schmeckt gut oder schlecht. Es ist gesund oder nicht. Im ersten Fall bin ich enttäuscht, im zweiten schade ich meiner Gesundheit; sonst geschieht aber nichts.

      Etwas Neues entsteht, indem man es ausprobiert. Bleibt man streng an der Überlieferung, geht man auf Nummer sicher.

    8. Sehr guter Punkt: Der Name. Wärs ein anderer, wär das schon die halbe Miete.

      Störend ist aber vielmehr, dass Blumethal – so habe ich das jedenfalls verstanden – das Gefühl hat, er habe einen Klassiker VERBESSERT (deshalb die sarkastischen Beispiele mit Mona Lisa und Ferrari). Für mich hat er das Original eher VERSCHLIMMBESSERT.

      Ich gestehe auch offen und ehrlich, dass ich meinen Ragù nie und nimmer so koche wie das die Accademia niedergeschrieben hat.

      Aber meine Eskapaden sind eben viel näher am Basisrezept. Ich versuche mit möglichst wenig Ingredienzen (das ist ein puristischer Ansatz an den ich ganz fest glaube > weniger ist mehr!), aber neuen Kombinationen und Kochzeiten das Nonplusultra heraus zu finden.

      Und obwohl ich mir den Rahmen so eng stecke, könnte ich dutzende Varianten von Ragù machen. Ich bin auch jedes Mal überrascht, wie unterschiedlich allein die Qualität der Tomaten einschenkt. Vom Fleisch ganz zu schweigen, Öl, zugeführte Hitze, you name it. Kreativität heisst für mich: alles mögliche ausprobieren und NICHT alles mögliche mischen.

    9. @Mike: Aber wird nicht schon mit der Bezeichnung als “Spaghetti bolognese” deutlich, dass es eben nicht um das klassische bononische Gericht geht, sondern um eine Neuerfindung des Ganzen? Tatsächlich geht es doch gar nicht darum, ein klassisches Gericht nachzukochen. Da gibt es genügend Rezepte wie z.B. das genannte der Accademia oder die specklose Variante von Marcella. Ziel kann doch nur sein, einen Klassiker neu zu erfinden bzw. andere Wurzeln seiner Geschichte (und jeder Klassiker hat eine Geschichte) zu betonen. So ist z.B. die Garumnote zu verstehen, die in der Tat eine Anspielung auf die römische Vergangenheit ist. Oder eben die Worcestershiresauce als Zitat der britischen kolonialen Vergangenheit. Oder die Tabascosauce als Hinweis auf die wichtige Rolle der italienischen Einwanderer in den USA für die Institutionalisierung und Verbreitung der modernen italienischen Küche. Natürlich ist dieses Gericht nicht historisch korrekt. Allein die Kombination von Garum mit Tomaten! Übrigens: so und so oft lese ich bolognaise statt bolognese. Ist das nicht schon Frevel genug?

    10. @Claudio: In einigen Punkten liegen wir gar nicht so weit auseinander. Je mehr Variablen man konstant hält, desto aufschlussreicher die verbleibenden Variablen. Das sehe ich als eines der Grundprinzipien der molekularen Küche an. Wenn man z.B. den Fond (noch so eine heilige Kuh ;-) durch Gelatine ersetzt, wie This das macht, bekommt die Note des Weines und die Dunkelheit des Satzes eine viel stärkere Bedeutung.

    11. Hi, Benedikt

      So wie du das [«Reinventing Kitchen Classics and his search for the perfect recipe.»] formulierst, eröffnet sich mir ein neues Bild:

      Bleiben wir bei meinem Beispiel mit dem alten Ferrari und dem Aufpimpen. Aber nehmen wir konkrete Beispiele – VW Beetle, Mini, Fiat 500. Klassiker also, reinvented, gespickt mit Zitaten und modernster Technik.

      Ich könnte jetzt einsichtig sein und sagen, okay, das Neue hat mit dem Traditionellen eigentlich gar nichts mehr am Hut. So wie Hestons Rezept für Spaghetti Bolognese. Es wurde ja neu erfunden.

      Trotzdem ist es retro, es hat einen direkten Bezug zum Original. Es ist eine Anlehnung an den Klassiker. Es ist also selbst kein Original sondern eine Kopie, gut seien wir grosszügig, eine Interpretation des Klassikers.

      Aber muss ich dieses Auto auch gut finden?

      Beim Beetle, das darf man mittlerweile sagen, handelt es sich um ein sehr peinliches Fahrzeug. Mini scheint den Nerv getroffen zu haben. Beim 500 ist abwarten angesagt.

      Ich finde Blumenthal trifft den Nerv nicht, wenn er sagt, [« As you might expect from a classic of the Italian kitchen, this involves no special equipment, just a long, slow simmer to allow the flavours to combine. However, I’ve added in a few things to boost those flavours.»]

      A few things? Wie bescheiden. Und er geht nicht annähernd so detailliert darauf ein wie du, ist es am Ende so, dass du da etwas überinterpretierst mit den ganzen Zitaten von den Römern bis zu Little Italy?

      Boost? Na, da sind wir doch endlich bei der ultimativen Geschmacksfrage! Und die lässt sich für meine Begriffe nicht von Stil loskoppeln: Silikontitten oder Naturbusen?

      Jedem das Seine.

      Im Ernst, Jungs, ich finde euren Blog immer spannender, ebenso die Exponenten der molekularen Gastronomie (obwohl sich ja Ferran immer wie dezidierter von diesem Begriff loseisen möchte …) aber Kochen und Essen hat nun mal mit Erlebnissen und Erinnerungen zu tun, sprich Kultur und Tradition, ergo ist es hoch emotional und super individuell.

      Ich missbillige das grassierende Geschrei gegen alles was den Hauch von molekularer Küche hat.
      Aber in gewissen Dingen ist es auch fundamental, eine kompromisslose Haltung einzunehmen, denn darauf lässt sich bauen.

      Ganz genau so, wie Heston Blumenthal das tut nach seinem eindrücklichen Genusserlebnis in der Trattoria della Gigina in Bologna.

      Ich wünsch euch einen guten Wochenstart!
      Claudio

    12. Die Bolognese als Zitatensammlung? Ein interessanter Aspekt.
      “boost those flavours” – wenn er gleich Glutamat ranschüttet, boostet das genauso, da spart er sich die acht Stunden. Lustig wäre es, einen Geschmacksvergleich zwischen einer 3- und 8-Stundenvariante bei gleichen Zutaten vorzunehmen.
      Für mich sin des: Ferz.

    13. Bei “Bolognaise” handelt es sich einfach nur um eine andere Schreibweise (englisch, französisch) der gleichen Soße. Als Frevel würde ich das nicht bezeichnen, das hätte etwas Religiöses, und das liegt mir fern. War eher eine Unachtsamkeit von mir. Ich schreibe eigentlich immer Bolognese. Wenn man Deiner Argumentation folgt, und aus der Bolognese ein Geschichtsbuch macht, wird sie nicht wirklich besser. Meiner Meinung nach zeichnen sich große Köche dadurch aus, dass sie ein Gefühl für die verwendeten Zutaten haben. Dass sie quasi das Endergebnis “vorausschmecken”. Das scheint mir bei obigem Rezept doch sehr schwierig. Allein der Estragon bringt einige der virtuellen Synapsen durcheinander (beim Hamburgerrezept war das nachvollziehbarer). Zudem wird in dem Rezept immer wieder Säure zugegeben, wo doch beim Originalrezept die Säure gemildert wird, durch die lange Kochzeit z. B.
      @ fressack: Das mit der längeren Kochzeit stimmt. Probiere es selber mal aus. Nach drei Stunden ist eine Bolognese einfach noch nicht fertig.

      Euch allen eine schöne Woche!

    14. @claudio ‘… darauf lässt sich bauen.’:
      Das finde ich einen sehr wichtiger Punkt. Wir schmecken ein neues Rezept ja nicht im luftleeren Raum. Ohne eine Vorstellung davon, was z. B. eine Sauce Bolognese ist, wäre könnten wir diese ‘britische’ Version davon ja gar nicht erkennen.

      Wir erleben Neues stets in Differenz zu unserer Erfahrung. Deshalb gibt es unterschiedliche Aspekte des Zitats, von dem man diese Differenz aufbaut.

      Da ist die zum einen die ‘Retro-’Anlehnung wie beim Beatle, 500, Mini – zumindest vordergründig Eklektizismus, zumindest ist das Zitat in diesen Fällen stets sauber durch Anführungszeichen gekennzeichnet (Münchner Rathaus, Parlament in Budapest oder London). Schöne Beispiele für diese Verzeichnungen sind auch Prozellanschüsseln, die Aussehen sollen, als seien es geflochtene Körbe. Zum zweiten gibt es Formen, die mangels Vorstellungskraft oder aus Faulheit vererbt werden: Die Eisenbahnwagen bestanden viele Jahre lang aus aneinandergebauten Kutschen. Klassischer Weise behindern diese mitgeschleppten Formen irgendwann so sehr, dass es zu revolutionären Veränderungen kommt – alles wird über den Haufen geschmissen; ich denke dass war bei der Überwindung der alten Küche Escoffiers – inzwischen verkommen zur internationalen Hotelgastronomie – durch die Nouvelle Cuisine der Fall.

      Bei der Molekularküche sehen wir sehr häufig, dass die Köche – allen voran Adrià – sozusangen als “Träger” für ihre Neuigkeit eine traditionelle Form wählen (Caviar, Ravioli etc.). Das Funktioniert umso besser, je stabiler diese Form ist; das Wort ‘Frevel’ steigt metaphorisch genau darauf ein.

      In unserem Beispiel stellt sich daher die Frage, welches Bild einer Sauce Bolognese die meisten Menschen im Kopf haben. Ich unterstelle, dass sich viele Mitbürger von einer Bolognese eine Tomatensauce mit Hackfleisch erwarten; ich glaube, dass die Bolognese wirklich eines der am meisten verhundsten Rezepte ist, und zwar ohne, dass jemand dabei etwas Neues ausprobieren möchte. Für die wäre Blumenthals Rezept auch keine Neuerung.

      Leider war ich bei der Verkostung im Hause bk nicht dabei, sondern nur meine Kinder, denen es nach eigenem Bekunden geschmeckt hat, ohne dass sie aber in der Lage gewesen wären, den Geschmack mit meiner Bolognese zu Vergleichen, was interessant gewesen wäre: ich koche die nämlich fast immer nach dem Rezept der Accademia Italiana della Cucina, das ich meist auch nur leicht abwandle, je nach dem, was im Hause ist (Rind statt Kalb, Geflügelleberwurst statt Geflügelleber, mal etwas Selerie oder Petersilienwurzel etc.).
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      Eine schöne Woche ebenfalls; ich freue mich schon aufs Mittagessen

    15. @Claudio: Noch etwas zum Thema amalgamati: die Entblößung der Pasta asciutta hat Blumenthal wohl auch von seinem Essen in der Antica Trattoria della Gigina mitgenommen, wie das Minibild hier nahelegt.

      @Mike, jb: Genau in dem Sinne meinte ich den Begriff “Frevel”, der erst im Mittelalter auf die Profanisierung von etwas Religiösem angewandt wurde. Zuvor waren damit eher übermütige, leichtsinnige Vergehen, z.B. Geld-Fälschungen gemeint. So wie in dem vielzitierten Faust-Zitat: “Ich ahne Frevel, ungeheuren Trug! Wer fälschte hier des Kaisers Namenszug? Ist solch Verbrechen ungestraft geblieben?”

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    17. Hab das so noch nie gegessen.werd ich gleich mal in den nächsten Tagen nachkochen.bin gespannt.

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    22. ich bin froh, dass ich nie in die verlegenheit kommen werde, diese eintopf-nudeln des heston blumenthal essen zu müssen.

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    24. hört doch mal auf mit dem nostalgischen scheiss und dem ganzen molekular gequatsche!!

      heston hat sich an das grundrauschen der traditionellen bolognese gehalten und eine zeitgemäss interpretation kreiert. er hat das rezept weiterentwickelt und die schlüssel-geschmäcker intensiviert.

      ja, ich habe diese sauce schon mehrmals gekocht, und das ergebnis ist wirklich “myammy”!

      das verblüffende: jede seiner zutaten hat eine berechtigung in der gesamtkomposition. so meine meinung.

      schaut euch mal das youtube video an!

    25. übrigens, das hier beschriebene rezept ist gar nicht vollständig. da fehlen ein paar wichtige dinge.

      schade, dass hier niemand respekt vor hestons perfektonismus zollt.

      und wenn ihr schon motzt, probiert es wenigstens zuerst aus!

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